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Phnom Penh

Auf der Fahrt hat Kambodscha mich schon mit einem wunderbaren Sonnenuntergang begrüßt. Mit dem Visum hat glücklicherweise auch alles einwandfrei geklappt- so langsam wird der Reisepass immer voller. Nach circa 8 Stunden Fahrt kam ich dann in Phnom Penh an, als es schon dunkel war. Ich hatte nicht geplant, viel Zeit in dieser Stadt zu verbringen, da ich schon von vielen Reisenden berichtet bekam, dass es zum Einen nicht wirklich viel zu sehen gibt und zum Anderen die Stadt auch nicht so wirklich sicher sein soll. Mir wurde auch direkt bei der Ankunft mehrmals gesagt, dass ich mein Handy sehr fest halten soll, denn anscheinend bekommt man in der Stadt das Handy oder den Rucksack oft von vorbeifahrenden Motorrädern aus der Hand geklaut. Glücklicherweise war mein Hostel nur knapp 20 Minuten zu Fuß entfernt, sodass ich nicht lange unterwegs war. Vor allem war ich unfassbar begeistert von meinem Hostel: bequeme Matratzen, viel Platz, sauberes Bad und einen Föhn! Da merkt man erstmal, wie sehr der Rücken eigentlich weh tut, wenn man auf einer bequemen Matratze liegt. (Das war eine der wenigen Nachteile in Vietnam – die Matratzen waren wirklich nicht der Hammer.) Ich habe auch glaube ich seit Wochen nicht mehr so gut geschlafen, wie in dieser Nacht. Am nächsten Morgen standen die zwei Programmpunkte auf dem Plan, wegen denen ich überhaupt nach Phnom Penh gekommen war: das Genozid-Museum und die Killing Fields. Da ich selbst sehr sehr wenig nur über die kambodschanische Geschichte wusste und ich davon überzeugt ist, dass das leider prinzipiell in Deutschland zu wenig thematisiert wird, möchte ich etwas über die Geschichte erzählen, denn das Land ist heute noch sehr tief von diesen Ereignissen, die noch gar nicht so lange her sind, geprägt und somit ist es meiner Meinung nach wichtig, ein bisschen darüber Bescheid zu wissen, um sich ein besseres Bild von den Orten und Menschen dieses Landes machen zu können.

Von 1970-1975 herrschte in Kambodscha ein Bürgerkrieg zwischen der Kommunistischen Partei von Kampuchea (auch Rote Khmer genannt) und der Vereinigten Nationalfront Kambodschas auf der einen Seite und der Regierungstruppen der Republik Kambodschas auf der anderen Seite. Gleichzeitig fand ja jedoch auch der Vietnamkrieg statt und da Kambodscha von strategischer Bedeutung war, mischten sich sowohl unterschiedliche Gruppen Vietnams in diesen Bürgerkrieg mit ein, als auch die Vereinigten Staaten Amerikas, was die Kämpfe in Kambodscha verschlimmerten und verlängerten. Die Gruppe Nordvietnams versuchten bspw. ihre im Osten Kambodschas liegende Nachschubwege und Basen zu erhalten, da sie für die Kämpfe im Süden wichtig waren, während die USA verhindern wollte, dass ein weiterer kommunistischer Staat im Westen ihres Verbündetem Vietnams entsteht, weswegen sie unter anderem mit Kommandounternehmen und geheimen Flächenbombardements in den Krieg eingriffen. (Nebeninfo: auf Kambodscha wurden in der Zeit die doppelte Menge Bombenlast von den Amerikanern abgeworfen, die im Zweiten Weltkrieg auf Japan abgeworfen wurde..)

Nach fünf Jahren Krieg, in denen ein ein Großteil der Wirtschaft des Landes zerstört wurde und Hunger herrschte, konnten die Roten Khmer die Regierungstruppen besiegen und es kam zur Proklamation des Demokratischen Kampuchea am 17. April 1975. An diesem Tag marschierten die Truppen der Roten Khmer in Phnom Penh ein, was die meisten sehr freute. Sie freuten sich über ein Ende der Kämpfe und begrüßten die einmarschierenden Kämpfer jubelnd. Die meisten dieser Kämpfer waren Kindersoldaten. Die Stimmung kippte jedoch relativ schnell, denn die komplette Bevölkerung wurde sofort in die ländlichen Gebiete des Landes deportiert, wodurch Phnom Penh innerhalb weniger Tage zur Geisterstadt wurde. Die neue Regierung unter Pol Pot (der sich selbst auch Bruder Nummer 1 nennt) begann sofort mit der Umgestaltung der Gesellschaft zu einem autarken radikal-kommunistischen Bauernstaat. Die Bevölkerung, die ja in die ländlichen Gebiete des Landes gedrängt wurde, müssen unter strengster Bewachung auf Reis- und Baumwollfeldern unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, wobei schon sehr viele Menschen verhungern, verdursten oder an Erschöpfung ihr Leben verlieren. Alle tragen dabei schwarze Einheitskleidung, um die Individualität zu beseitigen. Der Privatbesitz wird abgeschafft, ebenso das Geld und der freie Handel. Zudem wurde angestrebt, die Religionen auszulöschen. Gleichzeitig kam es zu Massensäuberungen. Man wollte die „Bourgeoisie“ abschaffen und brachte daher jeden um, der bspw. lesen konnte, eine Fremdsprache sprach, zur Schule gegangen war, eine Brille trug oder weiche Hände hatte. Auch Ausländer und Minderheiten wurden ermordet Lehrer, Händler und beinahe die gesamte intellektuelle Elite des Landes wurde ermordet, um den Agrarkommunismus zu verwirklichen. Man brachte jedoch auch immer alle Verwandten dieser Person direkt mit um, denn Pol Pot wollte „das Unkraut mit der Wurzel beseitigen“. Viele Gefangenen kamen in das Sicherheitsgefängnis 21, dem heutigen Genozidmuseum, das ich besuchte, um dort gefoltert zu werden. Wer dort nicht an der Folter starb, wurde auf den Killing Fields vor den Toren der Stadt umgebracht. Von 18000 Gefangenen überlebten dort 7 Menschen. Diese Schreckensherrschaft dauerte drei Jahre, acht Monate und 20 Tage und kostete mehr als einem viertel der Bevölkerung das Leben! Was diese Diktatur jedoch von anderen Unterschied war die völlige Geheimhaltung von Partei und den führenden Funktionären. Sie verbargen sich hinter einer vorgeblichen Organisation mit dem Namen Angka. Am 7.Januar 1979 nimmt Vietnam Phnom Penh ein und beendet die Schreckensherrschaft. Viele Mitglieder des Terrorregimes flüchteten jedoch in die Urwälder Kambodschas, Thailand oder China.

Okay, so viel zur Geschichte. Ich hoffe, ich habe sie verständlich zusammengefasst. Ich finde es immer noch so erschreckend, dass so etwas erst vor „recht kurzer Zeit“ passiert ist und man in Europa eigentlich nichts darüber weiß. Nur so nebenbei: die Roten Khmer wurden von vielen westlichen Ländern (darunter auch Deutschland) als legitime Regierung anerkannt und sie durften sogar ihren Sitz in der UNO bis zum Pariser Friedensabkommen 1991 behalten…

P.S.: Alle, die Netflix besitzen und noch etwas mehr über die Geschichte erfahren wollen, denen empfehle ich den Film „First they killed my father.“ Sehr sehr emotional. Gibt es im Übrigen auch als Buch!

2 Kommentare

  • Mathias Schmitt

    Hallo, meine geliebte Tochter, leider bin ich heute Abend erst in Ruhe dazu gekommen, Deine Beiträge voll gedanklich aufzunehmen! Ich bin begeistert von den wunderschönen Landschaftsschilderungen und den Berichten von den Begegnungen mit wunderbaren Menschen. Ich bin gleichzeitig schockiert über die politisch hintergründigen Schilderungen aus Vietnam und vor allem Kambodscha. Vielleicht sollte uns das künftig mehr den Blick auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt lenken. Leider hat unser beider Lieblingsland auch sehr viel Leid über diese Länder in Südostasien gebracht! Ich wünsche Dir jetzt bei Deinem Chillout mit Yoga und Meditation unheimliche Entspannung und wünschte mir, ich könnte das jetzt auch tun. Es täte mir gut. I love you❤️

  • Babelotzky

    Wie immer mein ⭐️bin ich gefesselt und begeistert von deiner Schreibweise 👍wünsche dir Ruhe Entspannung bei deiner Meditation und Yoga Woche LDS OMA ❤️💋