Hoi An
Ich freue mich wirklich wirklich sehr, diesen Beitrag zu schreiben und euch von dem wunderschönen Städtchen namens Hoi An berichten zu können. Am Mittwoch Mittag sind wir gegen 13 Uhr am Café des Busunternehmens in Hoi An abgesetzt worden. Wir hatten uns bewusst dazu entschieden, Da Nang auszulassen und dafür lieber etwas länger in Hoi An zu bleiben. Nach etwa 10 Minuten zu Fuß kamen wir auch schon bei unserem Hostel an und stellten unsere Rucksäcke ab, da wir noch nicht einchecken konnten. Unser Hostel hatte eine wirklich gute Lage, da es sehr nah an der Altstadt war, dem Herzen Hoi Ans. Daher sind wir dann auch direkt wieder los, um ein Restaurant zu finden, in dem wir zu Mittag essen gehen können. Am Rande der Altstadt fanden wir dann einen Vegetarier, bei dem wir uns im Garten, hinter dem Restaurant in einen kleinen, süßen Pavillon setzen konnten. Das hatte perfekt gepasst, denn gerade fing es auch an zu regnen – immerhin ist befinden wir uns ja noch in Zentralvietnam. Das Essen war so unglaublich lecker und wir waren uns sicher, dass das der perfekte Einstieg für diese Stadt war. Nach dem Essen sind wir durch die Altstadt gelaufen, um uns ein bisschen zu orientieren und umzuschauen. Es war zwar grau, aber trotz alledem ließ sich schon erahnen, wie magisch diese Stadt nur bei Nacht sein muss. Überall hängen bunte Laternen, die die Straßen und kleinen Gassen schmücken. Die Hafenstadt hatte vor allem zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für den Handel. Hoi An war sogar einst der größte Hafen in Südostasien, denn er lag an der Seidenstraße. Um das 16. Jahrhundert herum wurde der Hafen nach außen geöffnet, was zur Folge hatte, dass sich dort viele japanische und chinesische Handelsfamilien ansiedelten. Mitte des 17. Jahrhunderts, als der Außenhandel von Japan jedoch dann verboten wurde, veränderte sich die Bedeutung des Hafens erneut – nun wurden europäische Handelsniederlassungen in Hoi An durch Engländer, Franzosen und Niederländer gegründet, deren Geschäfte jedoch nicht so gut wie erhofft liefen, weswegen sich einige von ihnen bald auch wieder zurückzogen. Der Hafen verlor dann immer mehr an Wichtigkeit, da aufgrund der zunehmenden Versandung immer mehr Schiffe nach Da Nang (circa 30km entfernt) auswichen. Jetzt aber genug Geschichte – was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass die Gebäude der Altstadt eine Verschmelzung sowohl einheimischer, als eben auch fremder Einflüsse zeigen und das vor allem im Stil südchinesischer Kleinstädte. Zudem ist die Altstadt die Einzige, die während des Vietnamkriegs unversehrt blieb und zählt deshalb auch UNESCO Weltkulturerbe. Interessant ist auch, dass sich eigentlich alle Häuser zu zwei Seiten öffnen – einmal zur Durchgangsstraße hin und auf der anderen Seite zum Fluss und Hafen. An den Gebäuden lässt sich noch heute erkennen, wie prägend der Handel hier war. Zudem lebt die Stadt mit circa 150.000 Einwohnern auch heute noch von althergebrachtem Handwerk und Kunstgewerbe und natürlich – wie überall in Vietnam – von seinem boomenden Tourismus. Läuft man durch die Straßen der Altstadt, so ist schnell erkennbar, dass die uralten Häuser auch heute noch von Schneidern, Lederern, Malern und Laternenmachern bewohnt sind, denn ein Geschäft reiht sich an das nächste und überall kann man sich Klamotten schneidern lassen oder in ein Paradies für alle Lederfans eintauchen. Nachdem wir uns dann noch ein bisschen durch die Straßen haben treiben lassen, sind wir dann auch wieder ins Hostel und haben ein bisschen ausgeräumt. Am Abend wollten wir eigentlich nochmals in die Altstadt, um endlich die ganzen Lichter zu sehen, wir sind aber dann im Hostel hängen geblieben, da dort ein Musik Quizz veranstaltet wurde und man direkt schonmal wieder neue Leute kennengelernt hat. Im Anschluss sind wir nur noch schnell etwas essen gegangen und dann ziemlich müde ins Bett gefallen.
Am nächsten Morgen haben wir erstmal ausgeschlafen. Also immerhin bis halb 9 – aber selbst das hatte ich schon ewig nicht mehr. Nach einem ausgiebigem Frühstück – dieses Hostel hat das beste kostenlose Frühstück, dass ich bisher in Asien gegessen hatte – sind wir wieder zurück in die Altstadt und haben uns ein Ticket gekauft, mit dem wir in 5 verschiedene Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt gehen konnten und sind direkt an der japanischen Brücke vorbeigelaufen, die damals die japanische Community mit dem Rest der Stadt verbunden hatte. Dann haben wir uns die Versammlungshalle für chinesische Botschafter angeschaut, sind über den Local Market und im Anschluss am Fluss entlanggelaufen. Das Wetter war wirklich schön am Vormittag und so wurde es in der Sonne auch wirklich warm. Die Regenjacke hatte ich umsonst mitgenommen. Nach dem für Vietnam berühmten Banh Mi, haben wir uns für ein Stündchen nochmal hingelegt, bevor wir uns dann am Nachmittag eine Vorstellung im Theatre for performing Arts angeschaut haben. Eine Mischung aus Tanz, Theater und traditioneller Musik. An diesem Abend durften wir auch endlich die Stadt bei Nacht bewundern und ich dachte zwar schon davor, ich könnte nicht noch mehr Gefallen an dieser Stadt finden, aber bei Nacht war es dann komplett um mich geschehen. Durch die ganzen Laternen und Lichter war die Stadt so verträumt und von irgendwo hörte man leise Musik. Sobald man dann zum Fluss kam und auf die gegenüberliegende Insel schaute, war das malerische Bild der Stadt perfekt: auf dem Fluss fuhren einige Boote mit Laternen und auf der gegenüberliegenden Seite zeichnete sich ein lebendiges Bild von Kneipen, Bars und Nachtmärkten, in das gedimmte Licht der Laternen getaucht. Wir haben uns entschieden, auf dem Nachtmarkt essen zu gehen und probierten eines der Spezialitäten Hoi Ans: Cao Lau. Es war nicht ganz so würzig, wie andere Mahlzeiten hier, aber mir hat es geschmeckt. Im Anschluss gab es noch eine Art Taco aus Reispapier und im Anschluss gerolltes Eis. Ein Festmahl und das für knapp 4€. Um den Abend perfekt zu machen, setzten wir uns noch in eine Kneipe, tranken Bier, lauschten der Live Music und beobachteten das Leben in der Stadt. Eigentlich war ich mir jetzt schon sicher, dass ich meinen Aufenthalt hier definitiv verlängern werde.
Da auch am nächsten Morgen wieder die Sonne schien, haben wir uns Fahrräder gemietet und sind an den Strand geradelt, der nur circa 15 Minuten entfernt ist. Und da bemerkte ich erstmal, wie sehr mir das die letzten zwei Wochen gefehlt hat. Es hat sich so gut angefühlt, die Sonne zu genießen und ich habe förmlich gespürt, wie meine Vitamin D Produktion in die Höhe geschossen ist. In den letzten Tagen habe ich mich sowieso sehr müde gefühlt – trotz genug Schlaf. Ich habe einfach richtig gemerkt, dass ich schon 9 Wochen unterwegs bin. Jap, 9 Wochen – ich kann es auch noch nicht richtig glauben. Aber das hat mir ziemlich in den Knochen gehangen und nachdem ich mich die letzten Tage etwas ausgebrannt gefühlt habe, kam dieser Strandtag wie gerufen. Am Nachmittag wollten wir dann etwas shoppen und bummeln gehen, denn ich konnte dem Gedanken einfach nicht widerstehen, mir ein Kleid schneidern zu lassen und habe mich abmessen lassen. Nachdem ich dann am Flussufer saß, bis die Sonne untergegangen ist und die Stadt langsam wieder in ihren magischen Lichtern erstrahlte, gab es mal mexikanisch zum Abendessen.
Am Samstag morgen haben wir dann noch etwas Kultur gemacht und uns sowohl mehrere Museen, als auch noch weitere Versammlungshallen und einen Tempel. Aber irgendwie war bei mir immer noch so ein bisschen die Luft draußen. Ich bin so froh, dass ich am Vorabend meinen Aufenthalt im Hostel um zwei Nächte verlängert habe, denn ich habe mir bei bestem Willen nicht vorstellen können, heute abzureisen. Sylvia und ich haben uns dann in ein Café gesetzt und ein bisschen gequatscht. Diese Stadt ist wirklich perfekt dafür, sie einfach zu genießen und zu bummeln. Am Nachmittag habe ich dann mein Kleid abgeholt (und es sieht soo schön aus) und nachdem Sylvia dann von ihrem Bus abgeholt wurde und ich mich von ihre verabschiedet habe, mich noch ein bisschen ausgeruht. Am Abend gab es vom Hostel organisiert eine kostenlose Kochstunde, wo wir gezeigt bekommen haben, wie man Frühlingsrollen macht und im Anschluss gab es ein kostenloses Abendessen. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber ich liebe dieses Hostel, denn dort werden einfach so viele soziale Events angeboten und viele davon auch kostenlos – die perfekte Voraussetzung, um Leute kennenzulernen. Eigentlich wollte ich heute Abend mal früh ins Bett, aber ich wurde dann doch überredet, mit auf die Neon Party zu gehen und ehe ich mich versehen konnte, hatte ich auch schon Neon Farbe im Gesicht. Aus dem früh schlafen gehen und Ruhe bekommen wurde also nichts. Aber vielleicht war Feiern gehen auch keine schlechte Idee – immerhin war ich schon wirklich lange nicht mehr weg und hatte an dem Abend schon viele neue Leute kennengelernt. Es war dann im Endeffekt auch ein wirklich lustiger Abend und die Liste der Leute, die ich auf diesem Trip kennengelernt habe, wurde um einige erweitert.
Dafür war ich aber am nächsten Morgen umso weniger fit und habe mich entschieden, den Tag einfach mal im Bett zu verbringen. Ein bisschen merkwürdig war es aber schon. Ich lag da so im Bett, habe immer mal wieder ein bisschen geschlafen und einfach nichts gemacht. Ich musste mir auch mehrmals sagen, dass ich heute wirklich nichts mache. Rein gar nichts. Das ist seit mehr als 9 Wochen reisen das erste Mal, dass ich mich einfach ausruhe. Und ich habe erst dann gemerkt, wie sehr ich das eigentlich gebraucht habe. Nach dem Tag im Bett und einer Dusche habe ich mich so gut wie seit Tagen nicht mehr gefühlt. Richtig erholt. Am Abend habe ich mich dann mit meinen kanadischen Freunden, die ich auf der Motorradtour kennengelernt und nachdem ich sie zufällig in Ninh Binh wiedergetroffen habe, auch vor zwei Tagen zufällig wieder in Hoi An auf der Straße getroffen habe, zu einem Drink verabredet. Dann ging es aber für mich auch recht früh ins Bett.
Am Montag Morgen habe ich meinen Bus für den Nachmittag gebucht und noch ein paar letzte Stunden in der Stadt verbracht. Es war mal wieder richtig schön sonnig und ich war schon etwas traurig, diese Stadt verlassen zu müssen. Gleichzeitig war ich aber auch mehr als froh und dankbar, dass ich hier so viele Tage verbracht habe und einfach mal ein bisschen Pause gemacht habe. Nachdem ich mittags bei dem bekanntesten Banh Mi Restaurant der Stadt war, habe ich in einem Geschäft ein älteres Pärchen getroffen, die mir ihre ganze restliche Sonnencreme und Medikamente wie Imodium etc. geschenkt haben, da sie dies übrig hatten und morgen nach Hause fliegen werden. Es sind wirklich die kleinen Dinge, aber ich habe mich so über diese Geste gefreut. Auf dem Weg zum Hostel bin ich dann erneut in die Kanadier gelaufen (wir haben jetzt übrigens beschlossen uns nicht mehr voneinander zu verabschieden, sondern immer nur „bis bald“ zu sagen, da wir ja irgendwie immer wieder ineinander laufen!). Dann habe ich meine Tasche gepackt und bin zum Bus und sitze jetzt die nächsten 12 Stunden in diesem Bus – auf dem Weg nach Nha Trang.
Aber so ein kleines bisschen meines Herzens wird immer in dieser magischen und verträumten Stadt bleiben. Das ist definitiv meine liebste Stadt in Vietnam bisher. Natürlich ist es auch hier touristisch gewesen, aber irgendwie hat die Stadt dadurch zumindest für mich kaum an Charme verloren – es war viel mehr einfach dieser Mix der verschiedenen Kulturen, die Lichter, die süßen Hintergärten und die Häuser, die einen weitaus mehr an den Kommunismus und Sozialismus erinnerten, als bspw in Hanoi, aber ihre französische Note trotzdem nicht verloren hatten. Hoi An, mir hast du gefallen! Weiter gehts!
2 Monate unterwegs
Dalat
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Ein Kommentar
Babelotzky
Wunderschöne Bilder . War ganz vertieft wie im Traum danke dafür 🍀💋